Der Giftanschlag

Unsere Nachbarn, Krister und Rut, haben wir ja schon einige Male in unseren Beiträgen erwähnt. Beide sind schon in Pension und quatschen gerne. Sie quatschen mit allen über alles und wenn man möchte dass das ganze Dorf Bescheid weiß, sollte man es den zweien erzählen. Die Neuigkeit wird dann zuverlässig verbreitet. 😉

Naja, Geheimnisse sollte man ihnen eher nicht anvertrauen aber es sind nette Leute mit denen wir uns gut verstehen. Krister gehört zu jener Gattung Menschen die nicht still sitzen können und so bastelt er ständig am Haus herum. Er borgt sich Werkzeug von uns aus und umgekehrt. Als wir im Sommer 2013 die Hausfassade malten (von gelb/braun auf rot/weiß) und wir zwischendrin zwei Wochen zum Wandern wegfuhren, hat er auch einen Teil des dritten und letzten Anstrich auf der Rückseite für uns gemacht. Er half auch beim Abbau des alten Balkons mit und Rut hat uns während des Arbeitens draußen auch schon mal mit Kuchen und Eis überrascht. Wenn wir arbeiten, gehen Krister und Rut jeden Donnerstag und Freitag eine große Runde mit Maya spazieren und dann noch alle drei Stunden Gassi.

Krister hat bei uns den Spitznamen „Herr Bauinspektor“ weil er so neugierig ist, und immer den Baufortschritt unserer Renovierungen „kontrolliert“.

Eigentlich haben wir es mit unseren Nachbarn ganz gut getroffen. Sie reden zwar ein bisschen gar viel aber sie sind wirklich ok.

Tja, das dachten wir … bis zum 25. Dezember 2014!

Da klingelte es an der Tür und die beiden standen fröhlich lächelnd vor der Tür und überreichten uns ein Weihnachtspäckchen. Wir packten es natürlich sofort aus und hielten ein Päckchen Tee und ein Gläschen Heidelbeermarmelade in der Hand. Wie nett, dachten wir…anfangs.

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Am Abend wollten wir dann wissen, was das denn eigentlich für ein Tee ist und schauten uns die Verpackung mal genauer an. Hm… da stand nicht viel drauf. Nur ein Bild einer Blume und darunter der Name der Blume auf Schwedisch und Latein: Liljekonvalj – Convallaria majalis. Also Computer an und mal gegoogelt…. die Blume kam uns ja bekannt vor, sah aus wie ein Maiglöckchen aber wir habens nicht so mit Blumennamen. 🙂

Und siehe da, Liljekonvalj ist ein Maiglöckchen. Doch was lasen wir da auf Wikipedia:

„Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) ist eine Pflanzenart aus der artenarmen Gattung Convallaria in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). In der Deutschschweiz wird der Trivialname Maieriesli verwendet. Es wurde 2014 zur Giftpflanze des Jahres gewählt.“

Und weiter:

„Das Maiglöckchen wird insgesamt als sehr stark giftig eingestuft. Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders aber Blüten und Früchte.

Es wurden 38 Glykoside in der Pflanze gefunden, die sich von 9 Aglyka ableiten lassen. Hauptwirkstoffe: Convallotoxin, Convallotoxol, Convallosid und Desglucocheirotoxin.

Vergiftungserscheinungen: Bei äußerlichem Kontakt mit der Pflanze treten Haut- und Augenreizungen auf.

Bei Aufnahme durch den Mund treten Übelkeit, Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Brustbeklemmung auf. Zunächst tritt hoher Blutdruck und rascher Puls, später verminderter Blutdruck, sehr langsame und tiefe Atmung und schließlich Herzstillstand ein. Nach dem Genuss von einer bis fünf Beeren sind höchstens kurzzeitige Sinusarrhythmien beobachtet worden, meist keine Symptome. Bei größeren Mengen muss wie bei einer Herzglykosid-Vergiftung behandelt werden.

Durch Beeren, Blüten und Blätter sind besonders Kinder gefährdet. Bei Aufnahme von Teilen der Pflanze sollten der Giftnotruf bzw. ein Arzt konsultiert werden.

Schwere Vergiftungen von Tieren können bei der Waldmast auftreten. Auch Geflügel ist gefährdet.“

Warum wollen uns Krister und Rut vergiften? Rut arbeitete früher in der Apotheke, sie muss doch wissen wie giftig Maiglöckchen sind! Und wer verkauft giftigen Tee?

Wir waren im ersten Moment wirklich sprachlos und wunderten uns, was hier los ist. Ich kam dann noch auf eine Website mit homöopatischen Mitteln wo Maiglöckchen in geringsten Dosen für Herzschwäche angepriesen wurden – doch selbst da wurde gesagt, das die Behandlung wegen der Giftigkeit der Pflanze nur unter fachmännischer Aufsicht durchgeführt werden soll. Wie kann man dann so einen Tee in einer netten, harmlosen Verpackung verkaufen?

Da auf der Verpackung sonst keine Angaben sind (nicht mal ein Ablaufdatum!), googelte ich schließlich nach „Landskapste“… und siehe da… die Welt sah mit einem Male wieder freundlicher und weniger mordlüstig aus. 😉

Das Maiglöckchen ist nämlich die Landschaftsblume Gästriklands (unserer Region) und deshalb ist ihr Bild auf der Teepackung. Der Tee selbst besteht aus schwarzem China-Tee, Hollunderblüten und Erdbeerblättern und ist mit Bergamotte und Vanille aromatisiert.

Als wir später Krister und Rut die Geschichte erzählten, lachten wir alle aus vollem Hals und der Nachbarschaftsfrieden war wieder hergestellt. 🙂

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5 Antworten zu Der Giftanschlag

  1. Gabi schreibt:

    Dem Titel nach hab ich ja erst mal einen ordentlichen Schrecken bekommen. Aber Gott sei Dank hat sich ja alles in Wohlgefallen aufgelöst. Lasst Euch den Tee gut schmecken!
    LG Gabi

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  2. Claralotti schreibt:

    Ist denn das zu fassen? Da haben wir aber einen richtigen Schreck bekommen. Ist ja gerade noch mal gut gegangen! Puuh, müssen jetzt erstmal durchatmen!!!

    Stefy mit Clara-die-vor-Aufregung-noch-zittert

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  3. hildegardlewi schreibt:

    Das ist ja noch mal gut gegangen. Geschenke unbekannten Inhaltes immer erst an Außenstehenden ausprobieren. Wenn die überleben, kann man ja mal eine Probe wagen. Oder erst mal die Katze damit füttern. Fällt sie um, war das nichts rechtes mit dem Geschenk. Gesundes Neues Jahr, jaja “ !!! 😀 Lewi

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    • Maya Hammarby schreibt:

      Katzen damit füttern wär eine Idee gewesen. Hätte das im Eck beim Garagentor auslegen können. Dort ist nämlich das inoffizielle Katzenklo aller Nachbarskatzen und da stinkts manchmal gewaltig.

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  4. leonieloewin schreibt:

    Spannende Geschichte mit gutem Ausgang 🙂

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