Zum Ersten, zum Zweiten uuuund…. zum Dritten. Verkauft!

Ja, bald sind die Zeiten als Hausbesitzer für mich vorbei… vorübergehend zumindest.

Hausverkauf in Schweden geht ein wenig anders als in Österreich… und in Deutschland vermutlich auch. Hier werden Häuser meistens an den Höchstbietenden verkauft und zwar zum Großteil über Makler. Die sind aber auch nicht soooo verrucht wie in Österreich. Natürlich gibt es auch ein paar schwarze Schäfchen aber die meisten Makler sind seriös.

Jedenfalls war damals im Herbst ein Makler einer der größten schwedischen Maklerfirmen hier, schaute sich das Haus an, erklärte wie alles vor sich geht und wir schrieben einen Vertrag. Ein paar Wochen später war ein Profifotograf da, der Fotos machte und dann wurde das Haus inkl. Beschreibung als „kommender Verkauf“ auf diversen Websiten publiziert. Nach Weihnachten hatte der Makler dann 7 Spekulanten die ihm kontaktiert und Interesse angemeldet hatten. 7 Spekulanten…. ich wurde nervös denn ich rechnete mir aus, dass selbst wenn die Hälfte davon nach einer persönlichen Besichtigung kein Interesse mehr hatten, wären immer noch 3,5 übrig. Also suchte ich intensiv nach einer Mietwohnung oder einem kleinen Haus zur Miete. Das war nicht ganz so einfach aber nun habe ich ab Anfang April eine ca. 70 m2 große Wohnung in dem kleinen Ort Jädraås, ca. 40 km von der Arbeit entfernt. Ja, ist ein bisschen weiter zu Fahren, vor allem weil ich einen Umweg zu Lena, Mayas Hundesitterin in Kauf nehmen muss … aber es ist ja nur vorübergehend.

Es ist ein Haus mit drei Wohnungen, von denen jedoch mit heutigem Stand keine vermietet ist. D.h. ich habe eigentlich nicht nur eine Wohnung sondern sogar drei Wohnungen zur Verfügung. 😉

Die Wohnungen sind eigentlich als Unterkünfte für Schutzbedürftige (vor allem Frauen mit Kindern die Schutz vor gewalttätigen Ehemännern brauchen) gedacht, aber kein Schutzbedürftiger will in dem kleinen Kaff Jädraås wohnen. Die Wohnungen sind in der Nähe eines Schiortes (fühlt sich komisch an das zu schreiben denn alle österreichischen oder deutschen Schifahrer würden beim Anblick des „Kungsberget“ einen Lachkrampf kriegen – aber für Stockholmer & Co ist es tatsächlich ein Schiort) und bis April werden sie an Schifahrer vermietet aber dann ist die Saison zu Ende. Und die Firma (mit Sitz in Stockholm), die das Haus besitzt ist froh wenn das Haus nicht komplett leer ist sondern jemand da ist, der ein Auge drauf hat. Mit diesem Wissen konnte ich dann sogar die Monatsmiete um umgerechnet 200 Euro runterverhandeln. 😉

Doch zurück zum Hausverkauf… der war nämlich… einfach verrückt!

Als ich die Zusage für die Wohnung hatte, gab ich dem Makler Bescheid, dass ich nun das Haus verkaufen möchte. Wir einigten uns auf zwei Besichtigungstage (6 und 7. März) und danach bestellte ich sofort eine Putzfirma die alles auf Hochglanz bringen sollte. Die kamen am 5. März und während die putzten, lieferte ich massenweise Kleinkram am Flohmarkt ab. Und zwar ist das ein Flohmarkt bei dem man Regale und Kleiderstangen mieten kann, man druckt sich dort Preisschilder aus, markiert seine Kleider/Produkte und kann online verfolgen was verkauft wird. Ich habe gleich für vier Wochen gemietet und man kann jederzeit Waren nachbringen und das Regel befüllen. Ich finde das voll praktisch! Jedenfalls war ich jetzt schon das dritte mal dort und habe nachgefüllt… mit Sachen die ich nicht brauche und nicht (mehr) verwende.

Als ich dann wieder heimkam, wurde ich stinksauer weil die Putzfirma nicht nur einfach schlampig war sondern Dreck dort hinterlassen hat, wo es vorher sauber war. Ich frage mich echt, was die aufgeführt haben. Ich habe alles fotografiert und tags darauf ein Mail mit den Fotos an die Putzfirma geschickt. Die wollten erst nachbessern kommen aber ich hatte da ja schon Besichtigung und selber schon sauber gemacht. Also bekomme ich drei Stunden gut geschrieben. Aber das war das letzte Mal das ich diese Firma beauftragt habe.

Beim ersten Besichtungstermin am Vormittag des 6. März waren nur zwei Spekulanten (mit Anhang) da und versauten mir den Boden im Vorzimmer. Am späten Nachmittag des 7. März waren 6 Leute mit Anhang da. Obwohl da viel mehr Leute da waren, war der Boden viel sauberer! Dazu musste ich am Wochenende davor natürlich auch noch Schneeschaufeln denn es musste ja wieder schneien. Dieses Jahr wird übrigens einen besonderen Platz in meinen Memoiren bekommen… es ist das Jahr an dem ich anfing, Schnee zu hassen. Naja, also zumindest heuer hasste ich den Schnee schon… schauen wir mal ob das nächsten Winter auch so ist.

Tja, als der Makler nach der Besichtigung anrief und berichtete wie es war, war ich enttäuscht. Ich hatte mit deutlich mehr Leuten gerechnet. Meine Hoffnung auf einen guten Gewinn verschwand. Tags darauf hatte er mit allen gesprochen, die bei der Besichtigung waren und 2-3 waren interessiert. Also starteten wir die „Gebotslegung“ am Freitag, den 9. März um 10.00 Uhr. Für jedes Gebot bekam ich eine SMS… und meine Laune besserte sich schlagartig als das erste Gebot mit 10.000 Euro über dem Ausgangspreis startete. 14 Minuten später bimmelte das Handy erneut mit dem Betrag des zweiten Bieters. Weitere 15 Minuten später war der erste Bieter wieder dran … mit einem Betrag der mein aufgeregtes Herzchen zum Klopfen brachte – und das erst am nächsten Tag wieder aufhörte zu klopfen. Beim vierten Gebot war an Arbeit nicht mehr zu denken und ich dankte allen meinen Kollegen schon fürs Daumendrücken. Aber dann kam noch eine SMS und der Betrag trieb mir Schweißperlen auf die Stirn… es war das letzte Gebot und das lag ganze 27,33 % über dem Ausgangspreis!

Dann rief der Makler an und erzählte dass die zweiten Bieter nicht mehr mitbieten konnten oder wollten und ob ich das Gebot annehmen würde. So eine blöde Frage! Wir diskutierten dann noch wann ich in den nächsten Tagen Zeit für die Vertragsunterzeichnung hätte und er versprach er meldete sich, sobald er mit den Käufern geredet hatte. Kurz darauf bekam ich eine SMS vom Makler, wie es mit 15 Uhr aussieht. Ich schrieb zurück: „Welcher Tag? Heute???“ … Ja, heute … also begann die Auktion um 10 Uhr und fünf Stunden später war der Kaufvertrag unterzeichnet! Vollkommen verrückt! 😉

Ein Pärchen mit zwei kleinen Kindern hat sich in das Haus verliebt und das sah man an den Geboten… sie wollten das Haus unbedingt haben. Heute waren sie da um die Räume auszumessen und vor allem sie war total verzückt. Sie erzählten dass sie bei der Besichtigung die Kinder dabei hatten und weil das Haus auch so voll mit Leuten war, hatten sie gar keine Gelegenheit, das Haus so genau anzuschauen. Aber wir gingen alle Räume nochmals durch und sie entdeckten immer mehr Sachen, die sie total super fanden. Die Frau sagte auch immer wieder, sie könnte es noch gar nicht glauben, dass sie bald hier einziehen „dürfte“. Es freut mich echt, dass gerade die zwei das Haus gekauft haben weil sie total auf den Stil stehen. Nachdem sie mich bei der Vertragsunterzeichnung schon gefragt hatten, ob ich denn vielleicht auch das Fitnessgerät im Keller und/oder Rasenmäher verkaufen würde, habe ich ihnen eine Liste gemacht mit Sachen von denen ich mir denken könnte (oder hoffe) dass sie sie brauchen/wollen könnten und die Preise dazu geschrieben. Somit erspare ich mir das Annoncieren und Verkaufen denn in die Wohnung mitnehmen ist doof weil die Wohnung voll möbliert ist und für alle Sachen die ich magaziniere (für ein späteres Haus) muss ich ja auch bezahlen.

Sie sitzen jetzt wohl gerade und gehen die Liste durch denn ich bekam gerade eine Frage zu einer der Sachen auf der Liste. 🙂

Ich hoffe, sie nehmen das meiste was da steht. Dann spare ich mir das Verkaufen bzw. Wegtransportieren.

Außerdem … Neustart ist Neustart, da will man keine Altlasten mitnehmen. 🙂

Ein Problem ist, dass man in Schweden vom Gewinn eines Hausverkaufes 22 % Steuern bezahlt. In meinem Fall ist der Preis um das doppelte (!) gestiegen seit wir das Haus vor 8 Jahre kauften, das ist also eine schöne Stange Geld die das schwedische Finanzamt da haben will. Man kann zwar Renovierungen abziehen aber das gilt nicht für bezahlte Arbeitszeiten und das ist ja oft das teuerste. Weiters gilt es nicht wenn man z.B. einen Laminatboden rausreißt und einen neuen reinmacht. Wenn man aber so wie wir einen Plastikboden gegen Bambusboden austauscht, darf man den PreisUNTERSCHIED abziehen. Oder wenn man im Bad Fliesen statt Plastikboden/wände macht, darf man den Preisunterschied zwischen Plastik und Fliesen abziehen. Das muss ich mir noch ganz genau anschauen bzw. mit dem Juristen des Maklerbüros reden (juridischer Rat ist in der Maklergebühr inkludiert). Das gute ist, dass man keine Belege einreichen muss. Nur wenn das Finanzamt nachfragt, muss man Beweise für seine Berechnungen vorlegen. Es gibt dann auf der Website des Finanzamtes auch Online-Rechner da man ja auch Altersabzüge machen muss und und und… da steht mir noch einiges an Kopfarbeit bevor. Aber nicht jetzt. Die Steuern muss ich dann eh erst 2019 zahlen. 😉

Ich werde dann mit einigen (vielen) Transportfahrten mit meinem kleinen Auto in der letzten Woche im April übersiedeln. Eigentlich wollte ich mir ja die ganze Woche inkl. dem 30. April (Montag drauf und Dienstag ist Feiertag) frei nehmen aber „natürlich“ muss ich jetzt am 25. April zu einem Meeting ins 130 km Gimo fahren. Vorher werde ich aber mit Maya schon immer wieder mal hinfahren und mit ihr in Jädraås spazieren gehen und in der Wohnung sein, damit sie sich daran gewöhnt.

Am 2. Mai kommt dann die Übersiedlungsfirma, zerlegt die Möbel die ich nicht verkaufen konnte und verstaut alles in 8 m³ großen Containern. Am 7. Mai wird dann gründlichst gereinigt und am 14. Mai ist Schlüsselübergabe.

Und wenn ich dann ein neues Häuschen habe, wird mir der Inhalt der Container an die neue Adresse zugestellt.

So, das waren die News vom Hausverkauf … schwermütig wird man ja schon aber ich freue mich dass die richtigen Leute das Haus gekauft haben.

 

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4 Antworten zu Zum Ersten, zum Zweiten uuuund…. zum Dritten. Verkauft!

  1. Isabella schreibt:

    Da wünschen wir natürlich auch noch alles Gute für den neuen Lebensabschnitt … und gratulieren zum Hausverkauf. Das hört sich ja wirklich ganz anders an als hier in Deutschland. Wenn ich überlege wie lange wir gebraucht haben um unser altes Haus zu verkaufen – da sind fast 2 Jahre vergangen.
    Jetzt hoffe ich mal, dass die neuen Besitzer auch viel von der Liste übernehmen und Du so frei von Altlasten in der neuen Wohnung starten kannst.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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  2. Thor's geheimes Tagebuch schreibt:

    Oh da kommt ja noch einiges auf dich zu . Alles Gute ! L.G. Thor und Frau B. Scvheuert

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  3. Siebeninseln schreibt:

    Alles Gute für den neuen Lebensabschnitt wüscht dir, Dagmar

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