Von einem Extrem ins andere

Wie ihr sicher alle mitbekommen habt, wüten in Schweden wieder mal Waldbrände. Insgesamt steht derzeit eine Fläche von rund 20 000 Hektar in Flammen.

Heute Morgen konnte ich den Brandgeruch in der Wohnung riechen obwohl der größte Brand rund 130 km Luftlinie entfernt liegt. Erst dachte ich ja sogar, dass es nun in der Nähe auch irgendwo brennt und offensichtlich haben auch einige Leute einen Brand gemeldet aber es konnte kein Brandherd gefunden werden. Der Wind hat in der Nacht gedreht und somit kommt nun der Rauch vom Waldbrand zu uns. Obwohl also der Brand zig km entfernt ist, hat es schon ziemlich stark nach Rauch gerochen und es war auch ganz nebelig. Wie schlimm muss das dann näher am Brandherd sein?

Insgesamt brennt es aktuell an mehr als 40 Stellen über ganz Schweden verteilt, wobei die Brände verschieden groß sind. Der Brand der hier am nächsten ist (und am größten) startete am Samstag, soll bereits 8 500 Hektar Wald vernichtet haben und ist seit Tagen außer Kontrolle!!! Mehrere Dörfer wurden evakuiert und bisher wurden zum Glück noch keine Opfer (Todesfälle oder Verletzte) in den Medien erwähnt.

Seit ca. Anfang Juli ist es wegen der extremen Trockenheit verboten, Feuer zu machen (z.B. ist Grillen nur im eigenen Garten erlaubt). Leider gibt es immer wieder Idioten die sich nicht daran halten und an den unzähligen Grillplätzen ein Feuer machen. Wenn andere Leute dann auf das Verbot aufmerksam machen, werden sie ignoriert oder sogar beschimpft. Die Polizei ging mit einem dringenden, fast schon verzweifelten Facebook Posting an die Öffentlichkeit und berichtete über deren Erlebnisse und dass sie eigentlich wirklich anderes zu tun hätten, als zu Grillplätzen zu fahren, das Feuer zu löschen und den Leuten nochmals zu sagen, dass es derzeit verboten ist, zu Grillen.

Die extreme Trockenheit und der Mangel an Regen bereitet aber auch den Landwirten extreme Probleme. Schon im Vorjahr war die Heuernte sehr schlecht und heuer konnte erst einmal geerntet werden, weil einfach nichts wächst. Somit gibt es kaum mehr Futter für Kühe und Pferde. Pferdebesitzer kaufen Heu für den dreifachen Preis als normal und selbst dann ist es nicht sicher, dass sie damit über den Winter kommen. Kühe müssen notgeschlachtet werden, weil es kein Futter für sie gibt. Allerdings sind die Kapazitäten in den Schlachthäusern begrenzt und es gibt jetzt schon Wartelisten bis November! Nur reicht das Futter nicht bis November! Die Lage ist mehr als angespannt… in Südschweden sieht es noch schlimmer aus als bei uns hier in Mittelschweden. Es gibt jetzt Facebook Gruppen in denen Leute die größere Grundstücke besitzen, Bescheid geben und die Bauern kommen und mähen Wiesen/Felder damit Futter zusammenkommt. Aber auch das reicht nicht!

Bereits zum zweiten Mal heuer wurde auch die Bevölkerung aufgefordert, Wasser zu sparen und z.B. die Rasenflächen nicht zu bewässern. Der Grundwasserspiegel ist derzeit sehr niedrig, sodass man damit rechnen muss, dass der Wasserdruck bald sinkt und irgendwann kein Wasser aus dem Wasserhahn kommt.

Der Strompreis ist derzeit auch sehr hoch, weil ganz einfach nicht so viel Leistung produziert werden kann – wegen dem geringen Wasserstand. Und das wo wir vor drei Monaten noch Überschwemmungen im ganzen Land hatten weil die extremen Schneemassen so schnell geschmolzen sind.

Für schwedische Verhältnisse extrem sind auch die momentanen Temperaturen von bis zu 30 Grad (teilweise darüber) … und das seit mehreren Tagen. Bis auf wenige lokale Regenschauer hat es seit Anfang Mai kaum geregnet … und diese lokalen Schauer waren eher nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ wie es so schön heißt. Im Normalfall kann man sich hier über insgesamt… naja vielleicht drei bis vier Wochen Sommerwetter freuen aber nun ist es also schon seit 10 Wochen sonnig und sehr warm. Es fühlt sich an als ob schon ewig Sommer wäre… einfach, weil es sonst nie so lange zusammenhängend so schön ist. Und es ist kein Ende in Sicht, leider auch kein Regen.

Und wir reden hier nicht von Südeuropa, sondern von Schweden, nicht mal 1000 km vom nördlichen Polarkreis!

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Schweden abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Von einem Extrem ins andere

  1. athenmosaik schreibt:

    Ich denke an euch aus Athen, wo wir auch mit schweren Walbränden zu kämpfen hatten und über der Stadt eine Trauer liegt, die erdrückend ist. Hier sagen die Menschen, in den Norden Europas müsste man gehen um von Feuer verschont zu blieben. Es macht mich traurig zu hören, dass sogar bei euch Feuer wüten und das Wasser knapp wird. Ganz liebe Grüße

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s